14.06.2007  M&A, Gesellschafts- und Steuerrecht • Allgemeines Wirtschaftsrecht und Konfliktlösung • Gesetzgebung • 

Zehn goldene Regeln bei Geschäftstätigkeit in Schweden

1. Der richtige Partner ist das A und O.

Sie müssen sich sicher sein, mit welchem schwedischen Vertragspartner Sie Geschäfte machen! Die Firma „Persson AB“ ist nicht identisch mit „Persson KB“ oder „ Per Persson HB“. Kommt es zu einem Rechtsstreit, müssen Sie genau bestimmen können, welches Unternehmen Ihnen das Geld schuldet.

2. Bonität prüfen

Informationen über den neuen schwedischen Geschäftspartner einzuholen, ist normalerweise einfach und häufig auch notwendig. Besonderes wichtig ist es zu prüfen, ob der Vertragspartner insolvent oder ob er früher in Konkurs geraten ist. Viele schwedische Aktiengesellschaften sind nur mit dem Mindestkapital von 100.000 Schwedenkronen (ca. 11.000 Euro) ausgestattet. Alle wichtigen Informationen, die Sie benötigen, können sie von dem zentralen Handelsregister (PRV) in Schweden via Internet und Telefon bekommen.

3. Sprachliche Missverständnisse vermeiden

Viele schwedische Anwälte sprechen nur leidlich deutsch. Nur wenige Anwälte verfügen über die Expertise, die juristische Fachsprache auch des anderen Landes zu beherrschen sowie die Kenntnis über Unterschiede der Rechtssysteme. Es ist deshalb sehr wichtig, den richtigen Berater zu finden.

4. Persönlicher Umgang

Schweden sind offen und nicht so formell wie die Deutschen. In Schweden wird diese Tugend dadurch gestärkt, dass sich alle duzen. Das „Sie“ verwenden die Schweden nur gegenüber der Königsfamilie, sehr alten und respektablen Personen oder gelegentlich in förmlichen Anwaltsschreiben. Auch wenn die Verhandlungssprache deutsch oder englisch sein sollte, fühlen sich die meisten schwedischen Geschäftspartner wohler, wenn ihnen angeboten wird, auf formelle Anreden und Titel zu verzichten. In Verhandlungen ist es angebracht, nicht zu laut und direkt zu sein. Schweden sind oft vorsichtiger und zurückhaltender.

5. Mündliche oder schriftliche Vereinbarungen?

Während man in Deutschland wenig auf mündliche Abreden gibt, spielt das gesprochene Wort für Schweden eine bedeutende Rolle und man hält sich daran. Allerdings ist es auch in Schweden wichtig und angebracht, alle Vereinbarungen schriftlich zu bestätigen, so dass zukünftige Streitigkeiten vermieden werden können.

6. Sicherheit nach Landesart

Obwohl – Bonität vorausgesetzt – schwedische Unternehmen im Allgemeinen eine hohe Zahlungsmoral haben, ist Vorsorge gegen Forderungsausfälle unverzichtbar. Sichern Sie Ihre Forderungen dabei nach schwedischer Art. Der in Deutschland übliche Eigentumsvorbehalt ist z.B. nach schwedischem Recht nur in Ausnahmefällen wirksam. Es gibt jedoch andere Möglichkeiten, sich und seine Ware vor Zahlungsausfällen zu schützen.

7. Vertrauen und Zusammenarbeit

Die Hierarchie in schwedischen Unternehmen ist im Unterschied zu Deutschland oft sehr flach und daher kaum wahrnehmbar. Häufig werden Entscheidungen nach gemeinsamer Diskussion mit den Mitarbeitern getroffen. Der Gesprächpartner soll ernst genommen werden, egal, welche Position und hierarchische Stellung er hat. Für den Umgang mit Schweden ist es wichtig zu wissen, dass die zukünftigen Vertragspartner auch großen Wert auf persönliches Vertrauen und Zusammenarbeit legen.

8. Pünktlichkeit ist Trumpf

Bei Terminen wird großer Wert auf Pünktlichkeit gelegt. Insbesondere als Anbieter / Verkäufer kann man bereits durch geringe Verspätungen erstaunlich viel Goodwill verspielen.

9. Informelle Netzwerke

Die schwedische Wirtschaft wird dadurch gekennzeichnet, dass die Akteure in den Branchen einander gut kennen. Die schwedische Bevölkerung ist relativ klein und hat deshalb nur eine begrenzte Anzahl von Akteuren auf dem Markt. Das führt oft dazu, dass viele Probleme zwischen Handelspartnern auf einer informellen Basis geklärt werden können. Die deutsche Vorliebe für gerichtliche Auseinandersetzungen ist in Schweden deutlich niedriger.

10. Lassen Sie sich gut beraten

Sie sollten nicht unbedingt den Berater mit den niedrigsten Gebühren auswählen. Der erforderliche Zeitaufwand und die Erfolgsaussichten einer Angelegenheit hängen mitentscheidend von der Qualifikation des beauftragten Beraters ab. Neben der fachlichen Spezialisierung auf Fragen des internationalen Handels sollte darauf geachtet werden, dass der beauftragte Berater ein Vorverständnis für die schwedische Sichtweise mitbringt und die Kommunikation in schwedischer Sprache erfolgen kann. Beabsichtigen Sie, sich von einem schwedischen Anwalt beraten oder vertreten zu lassen, sollten Sie darauf achten, dass dieser die Unterschiede des schwedischen und deutschen Rechtssystems auf dem betroffenen Rechtsgebiet kennt und Ihnen diese verständlich machen kann. Denn nur dann können Sie Ihre eigene Rechtsposition zuverlässig einschätzen, bevor es zu einem möglicherweise vermeidbaren kostspieligen Rechtsstreit kommt.